ARD- Text Überfall: Ermittler schockiert
Ermittler halten die brutalen Überfälle von Schweizer Schülern auf Passanten in München für noch alarmierender als den Fall der Münchner U-Bahnschläger vor eineinhalb Jahren. "Das hat noch einmal eine höhere Dimension", sagte der Oberstaatsanwalt. Das Motiv sei "Lust am Klatschen", so ein Polizeisprecher.
Im Fall der U-Bahn-Schläger hatten zwei junge Männer einen Rentner schwer verletzt, nachdem er sie aufgefordert hatte, in der U-Bahn nicht zu rauchen. In dem jüngsten Fall mit mehreren beliebig ausgesuchten Opfern hingegen gab es überhaupt kein Motiv.
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http://www.netzeitung.de/vermischtes/1393919.html
Schüler prügeln 46-Jährigen fast zu Tode:
«Eine Art Amoklauf» während der Klassenfahrt
Sie waren auf der Suche nach einem «Kick»: Eine Gruppe minderjähriger Schüler hat sich einen Spaß daraus gemacht, völlig unvermittelt Passanten zu überfallen. Dieser Spaß kostete einen Mann fast das Leben.
Makaberer Zeitvertreib: Um sich einen «Kick» zu verschaffen, hat eine Gruppe von Schülern einen 46-jährigen Mann in der Nacht zum Mittwoch zusammengeschlagen und beinahe getötet. Das Opfer der Attacke, ein Versicherungskaufmann aus Ratingen in Nordrhein- Westfalen, trug zahlreiche Schädelfrakturen und ein Schleudertrauma davon, wie die Polizei in München am Donnerstag mitteilte.
Die Jugendlichen hatten demnach den Mann ohne Vorwarnung niedergeschlagen und auch noch auf ihn eingetreten, als dieser schon am Boden lag. «Sie kannten ihn nicht, sie haben ihn wahllos ausgesucht, es gab keinerlei Anlass - und er hatte keine Chance, sich zu wehren.», sagte Polizeisprecherin Sabine Allertseder. Der 46-Jährige ist bisher noch nicht vernehmungsfähig.
«Leute wegklatschen»
Nach eigenen Angaben waren die Teenager durch München gezogen, um «Leute wegzuklatschen». Dabei überfielen sie wahllos und unvermittelt vier weitere Passanten, unter ihnen drei alte Männer und ein bulgarischer Student. Den Angriffen sei keinerlei Streit oder überhaupt ein Gespräch vorangegangen. Das Motiv sei offenbar bloßer Spaß gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. «Man kann sich das als eine Art Amoklauf vorstellen, zum Glück nicht mit Waffen», verglich Staatsanwalt Laurent Lafleur. «Einer der Jugendlichen hat ausgesagt, dass sie einen 'Kick' gesucht haben.»
Nach dem Angriff flüchtete die Gruppe. Darauf verständigten Zeugen der Attacke die Polizei und gaben erste Beschreibungen zu den Tätern.
Geständnis abgelegt
Die Jugendlichen legten teilweise bereits ein Geständnis ab. Gegen drei Schüler im Alter von 16 Jahren hat die Staatsanwaltschaft bereits einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt. Zwei weitere Teenager im Alter von 15 und 17 Jahren sollen nach ersten Ermittlungen nicht unmittelbar an dem Übergriff beteiligt gewesen sein. Vor dem Überfall hatten die mutmaßlichen Täter offenbar Alkohol, teilweise auch Marihuana konsumiert, erklärte die Staatsanwaltschaft weiter.
Die Gruppe aus sechs bis sieben Schülern einer zehnten Klasse ist im Rahmen der Abschlussfahrt ihrer Züricher Schule in München. Bei den drei Hauptverdächtigen handelt es sich um zwei Schweizer Staatsbürger und einen Slowenen. Die Polizei nahm außerdem einen Portugiesen und einen weiteren Schweizer mit Migrationshintergrund fest.
In seiner Brutalität erinnert der Vorfall an die Tat zweier Jugendlicher, die kurz vor Weihnachten 2007 einen Rentner in der Münchener U-Bahn krankenhausreif geschlagen hatten. Anschließend ließen die Täter ihr Opfer schwerverletzt zurück. Der Rentner hatte die Schläger zuvor lediglich aufgefordert, in der U-Bahn nicht zu rauchen. Die Attacke hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Im vergangenen Sommer wurden die beiden Jugendlichen wegen versuchten Mordes zu langen Haftstrafen verurteilt. (dpa)
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