In Schwandorf hat sich die NPD mehrfach zu Versammlungen in Räumen der katholischen Kirche getroffen. Dem Bistum Regensburg zufolge hatte die Pächterin
zwar die Genehmigung des Kirchenpflegers eingeholt, nicht aber den Pfarrer darüber informiert.
Seit etwa zwei Jahren hat sich die rechtsextreme NPD für Versammlungen in der Kreuzberg-Gaststätte getroffen, die der katholischen Kirche gehört. Sie liegt direkt gegenüber der Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg in Schwandorf. Noch am 10. Mai traf sich die Partei dort zu ihrem Landesparteitag. Carmen Ertl, die die Gaststätte von der Kreuzberg-Pfarrei gepachtet hat, sagte auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks, sie habe sich zwei Mal ausdrücklich die Genehmigung des Kirchenpflegers Georg Hottner eingeholt.
Pfarrer nicht informiert
Nach Angaben eines Bistumssprechers gab es in der Sache dann eine Kommunikationspanne in der Pfarrei. Der Kirchenpfleger, der für die CSU im Schwandorfer Stadtrat sitzt, habe nicht den zuständigen Pfarrer Michael Jakel informiert, so dass der Priester von den NPD-Veranstaltungen bislang nichts gewusst habe. Er habe erst durch die BR-Recherchen davon erfahren. Der Pater werde nun umgehend mit der Pächterin ein Gespräch führen, um die NPD-Treffen dort künftig zu unterbinden, kündigte der Sprecher an.
Rechtsextremismus in Bayern
Die schleichende Gefahr
Tarnen und Täuschen ist das Motto - die rechte Szene ist mittlerweile ein Patchwork aus verschiedenen Lifestyles und Themen, um möglichst viele Zielgruppen anzusprechen. Auch im Freistaat ist Rechtsextremismus schon lange kein Randphänomen mehr - sondern eine Bedrohung der Zivilgesellschaft
Tarnen und Täuschen ist das Motto - die rechte Szene ist mittlerweile ein Patchwork aus verschiedenen Lifestyles, um möglichst viele Zielgruppen anzusprechen. Auch die NPD - einst deutschnationaler Klub aus Altnazis - hat das längst erkannt und integrierte jüngere Führungsfiguren aus der Neonazi-Szene. Statt mit Nostalgie-Vorträgen über die Wehrmacht werden Sympathisanten nun per "Spaßkultur" gewonnen: Saufgelage, Sonnwendfeiern und vor allem: Konzerte mit Rechtsrock-Bands.
All das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sich in Deutschland eine rechtsextreme Bewegung etabliert hat, die eine ernsthafte Bedrohung der Zivilgesellschaft darstellt. Die Neonazi-Szene ist inzwischen ziemlich ausdifferenziert - und einige Gruppierungen treten äußerst militant auf: Durch rechtsradikale Gewalt werden in Deutschland täglich mindestens zwei Menschen schwer verletzt. War dies vor Jahren meist ein Problem in Ostdeutschland, so ist es nun längst im Westen angekommen. Speziell in Bayern sind Neonazis besonders aktiv. Ob in Gräfenberg, Wunsiedel, München oder Passau - die braunen "Kameradschaften" erkoren viele Orte im Freistaat für ihre Umtriebe.
Unbemerkt von der Öffentlichkeit
Die Gesellschaft hat diese Entwicklung bisher kaum wahrgenommen - oder verdrängt. Nur gelegentlich, etwa bei aggressiven Aufmärschen oder gravierenden Übergriffen, wird die Öffentlichkeit samt Politik kurzfristig aufmerksam. Allerdings gibt es auch hierzulande Initiativen wie in Wunsiedel oder Gräfenberg, die den Rechten dauer- und beispielhaft die Stirn bieten.
Ein Neonazi rasiert sich eine Glatze und marschiert in Springerstiefeln auf - ein Klischee, das immer noch auf zahlreiche Rechtsextreme passt, auf mindestens ebenso viele aber längst nicht mehr. Die einen treten bürgerlich in Anzug und Krawatte auf, andere modisch chic oder einfach mit Baseball-Kappe. Oder sie kopieren linkes Outfit wie Palästinensertuch oder Che-Guevara-T-Shirt. Neonazis verprügeln nicht mehr nur Ausländer, sondern geben sich auch als netter Nachbar mit Engagement in der Kommunalpolitik.
Neue Studie
Etwa jeder siebte Jugendliche in Deutschland ist einer Studie zufolge sehr ausländerfeindlich. Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen für das Bundesinnenministerium ergab, dass 14,4 Prozent der Befragten ein hohes Maß ausländerfeindlicher Einstellungen offenbarten. 4,9 Prozent der Jungen und 2,6 Prozent der Mädchen gaben an, Mitglied einer rechtsextremen Gruppe oder Kameradschaft zu sein.
Rechtsextremismus in Bayern
"Getrennt marschieren, vereint zuschlagen"
InhaltRechtsextremismus in Bayern
"Getrennt marschieren, vereint zuschlagen"
Stand: 06.02.2009
Für die NPD war es zunächst ein großer Spagat, als sie sich Mitte der 90er-Jahre der jungen rechtsextremen Szene öffnete. Eine deutschnationale Altherrenriege mit Hang zu Hitler-Romantik und dem Ruch von Altnazis soll mit Jugendlichen gemeinsame Sache machen, die Rockmusik hören? Zwar Rechtsrock, aber mit englischsprachigen Texten?
Allianz von NPD und "Freien Kameradschaften"
Sie musste es wohl oder übel akzeptieren, als 1996 Udo Voigt den NPD-Bundesvorsitz übernahm. Der Sohn eines SA-Mitglieds wollte die Partei wieder in bessere Zeiten führen, hatte sie doch nach einigen Erfolgen Ende der 60er-und Anfang der 70er-Jahre danach kaum mehr eine Rolle gespielt. Dazu suchte Voigt den Schulterschluss mit in "Freien Kameradschaften" organisierten Rechtsextremen. Um die Differenzen bei Ideologie und Lebensstil zu überbrücken, gab Voigt die Devise aus: "Getrennt marschieren, vereint zuschlagen".
Doppelstrategie im Kampf gegen das "System"
Zwar bröckelt die neue Allianz aus NPD und Kameradschaften in manchen Regionen inzwischen wieder, aber dort, wo sie besteht, ist das gemeinsame Ziel: der Kampf gegen die Zivilgesellschaft, die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie. "Das illegitime System (...) der BRD (sei) ebenso abzuwickeln wie die DDR", forderte Voigt.
Die Allianz, eine selbst ernannte "rechte Volksfront", geht einher mit einer Doppelstrategie: Die NPD versucht, den parlamentarischen Weg zu gehen, die "Kameradschaften" sprechen eher die "jungen Wilden" unter den Rechtsextremen an. Mit dieser Methode soll einerseits das "brave" deutschnationale Klientel nicht verschreckt und andererseits die brutale Schlägerfraktion bei der Stange gehalten werden.
Steuergelder für Neonazis
Auch für die "Freien Kameradschaften" erwies sich die strategische Allianz mit der NPD als lukrativ. Nicht wenige Neonazis traten den Nationaldemokraten bei. Zum Teil äußerst gewaltbereite Rechtsradikale konnten damit in eine legale Partei geschleust werden - und darüber hinaus finanziell profitieren: Sie kamen an Steuergelder aus der staatlichen Parteienfinanzierung.
"Organisatorische Stärke"
Von der Gesellschaft sind diese Verbindungen bislang kaum wahrgenommen worden, was die Gefahr, die von ihnen ausgehen kann, bestimmt nicht mindert. Dementsprechend warnt die Politologin Andrea Röpke: "Die rechtsextreme Szene in der Bundesrepublik hat - weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit - in gefährlichem Ausmaß an organisatorischer Stärke und politischem Selbstbewusstsein gewinnen können, was sich nicht nur in Drohgebärden, sondern auch in erschreckenden Taten zeigt."
Dennoch ist der Rechtsextremismus kein homogenes Phänomen, weder in Deutschland noch in Bayern. Immer wieder verstricken sich Führungsfiguren in Machtkämpfe oder tragen ideologische Richtungsstreitigkeiten aus. Gerade der Spagat zwischen bürgerlichem und militantem Auftreten hat inzwischen zum Teil tiefe Gräben zwischen NPD und der gewaltbereiten Neonazis-Szene aufgerissen.
Rechtsextremismus in Bayern
NPD - Rechtsaußen und Rechtsdraußen
Das Treiben der NPD in Bayern wird seit Jahren immer offensiver: Kein Wunder, steht die rechtsextremistische Partei im Gegensatz zur Bundespartei im Freistaat finanziell und personell gut da - noch: Die Konflikte zwischen den gemäßigten und den radikalen Kräften nehmen zu.
Die Rechten fahren eine Doppelstrategie: bürgerlicher Anstrich und hemmungslose Hetze. Sie geben den Biedermann, der sich für (deutsche!) Familien einsetzt und sich neuerdings auch für "linke" Themen wie Globalisierungskritik engagiert. Die Homepage der bayerischen NPD bietet sogar ein PDF über genfreie Ernährung.
Symbiose von Brutalo-Skins und Rechtsaußen-Konservativen
Doch das täuscht nicht über die reale Gefahr hinweg, die von der Rechtspartei ausgeht. Heribert Prantl, Innenpolitik-Experte der "Süddeutschen Zeitung", hält die 1964 gegründete NPD mittlerweile für gefährlicher als andere Rechtsparteien in Europa, etwa die französische Front National oder die Lega Nord in Italien. Die NPD hätte als einzige die Symbiose von Brutalo-Skins mit Rechtsaußen-Konservativen geschafft.
Aufmärsche in München, Gräfenberg und anderswo
Im Gegensatz zu früher ist die Partei heutzutage eine verhältnismäßig junge Partei - das Durchschnittsalter ihrer Mitglieder liegt weit unter dem anderer Parteien. Dazu passt, dass die NPD seit einigen Jahren intensiv um Jugendliche wirbt - Stichwort: Schulhof-Offensiven mit Rechtsrock-CDs. Auch das Einbinden der sogenannten "Freien Kameradschaften" ist Teil der Strategie, die braune Basis zu vergrößern. Dazu gehören auch "bürgerliche" Aktivitäten wie von der NPD organisierte Kinderfeste oder Engagement von Rechten in Schulelternschaften. Seit Jahren nehmen außerdem die Aufmärsche, Kundgebungen und "Mahnwachen" der NPD zu - besonders in München, Nürnberg oder im oberfränkischen Gräfenberg.
Umstrittener Landeschef Ollert
Die strategische Allianz von Rechtsaußen und "Rechtsdraußen" bekommt allerdings inzwischen Brüche: In Mittelfranken traten 2008 scharenweise Neonazis rund um den Chef der Jungen Nationaldemokraten (JN), Matthias Fischer, aus der NPD aus. Landeschef Ralf Ollert ist umstritten und vielen Jungnazis und rechten Skinheads offenkundig zu wenig radikal.
Ollert, der vor der Landtagswahl im Herbst vollmundig fünf Prozent versprochen hatte und dann als Spitzenkandidat magere 1,2 Prozent der Stimmen einfuhr, wird vor allem von den "Freien Kameradschaften" und der NPD-Jugendorganisation JN ein "Wischi-Waschi-Kurs" vorgeworfen.
"Großes Potenzial" in Bayern
Ollert, der seit der Kommunalwahl 2002 über die NPD-Tarnliste "Bürgerinitiative Ausländerstopp" (BIA) im Nürnberger Stadtrat sitzt, beteiligt sich aktiv an Aufmärschen der Rechten, etwa am einstigen alljährlichen Rudolf-Heß-Gedenken in Wunsiedel, dann in Gräfenberg. Seine rassistischen und nationalistischen Agitationen (im Namen der BIA redet er gern von "Multikulti-Terror" oder "Verausländerisierung") reichen vielen jedoch längst nicht mehr. Ollert dagegen setzt auf "legale" Unterwanderung.
Er glaubt, dass gerade in Bayern das Potenzial an Rechts-Wählern "so groß wie in keinem anderen westlichen Bundesland" sei. Nicht umsonst veranstaltete die NPD Ende Mai 2008 ihren Bundesparteitag in Bamberg. Die Faschisierungspolitik, in vielen östlichen Bundesländern bereits erfolgreich, soll nun auch im Westen greifen - der Freistaat scheint dafür prädestiniert.
Link-Tipp I
Der ehemalige Altmännerverein hat sich inzwischen ein jugendliches Image zugelegt.
Lesen Sie mehr zur Geschichte der NPD bei tagesschau.de.
Der Wandel der NPD [tagesschau.de]
Link-Tipp II
Bei den rechtsextremen Parteien stehen große Veränderungen an. Der bisherige DVU-Chef und Parteigründer Gerhard Frey trat freiwillig ab - und in der NPD kämpft Parteichef Udo Voigt derzeit um sein Amt.
Machtwechsel bei DVU und NPD
Weitere Fakten
Die NPD bundesweit zählt rund 7.200 Mitglieder. Der bayerische Landesverband ist neben Sachsen einer der mitgliederstärksten Verbände (rund 950 Mitglieder).
Bei der Landtagswahl 2008 in Bayern erzielte die NPD 1,2 Prozent - überdurchschnittlich viel in Franken. Im Wahlkampf hatte sich die NPD als "einzig echte Alternative zur CSU" bezeichnet. Die Partei trat u. a. mit dem Slogan "Heimat statt Globalisierung" an.
Die NPD ist derzeit in den Landtagen in Sachsen und in Mecklenburg-Vorpommern vertreten. Außerdem sitzen NPD-Vertreter in vielen Kommunalparlamenten, auch in Bayern.
2004 schlossen NPD und DVU einen "Deutschlandpakt" und treten seither ab und an auf gemeinsamen Listen an. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichten sie gemeinsam mit 1,6 Prozent ihr bestes Ergebnis seit 1969.
2003 scheiterte ein Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. Grund war der massenhafte Einsatz von V-Männern. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hält die NPD für verfassungsfeindlich und befürwortet die Prüfung eines neuen Verbotsverfahrens. Der Koalitionspartner FDP ist allerdings dagegen.
Die NPD wird vom Verfassungsschutz als aktivste rechtsextremistische Partei eingestuft und seit langem beobachtet.
NPD-Blog: Unabhängige Berichte und Dokumentation über die NPD [npd-blog.info] Bundesamt für Verfassungsschutz [verfassungsschutz.de]